komplizenschaft

Lucas Valdés, Retrato milagrosso des San Francisco de Paula, ca. 1710

Im einem Ausstellungsführer wird ein Bild kommentiert:
»Ein Maler liegt auf dem Boden seines Ateliers. Er muss ohnmächtig oder betrunken sein. Ein Engel hat den Platz an der Staffelei eingenommen. (...) Wir vermuteten, dass der Maler gerade Visite des von der Himmelsregierung einbestellten Beamten hat, der die Richtigkeit der Darstellung bewacht und die Arbeit korrigiert. Es zeigt eine ohnmächtige künstlerische Praxis, die sich der göttlichen Macht so wenig entgegenstellen kann wie einem geschichtlichen Prozess - zum Beispiel dem der ursprünglichen Akkumulation.

»So, what are you insisting on ? You are insisting on going beyond arts limits ? So you want to stop to be an artist ?«, ist eine Streitfrage der Diskussion in der Kammer.

Sie zeigt die Repressivität, die in der Zuweisung »Künstler sein« liegt. Die Anerkennung, Künstler zu sein, wird an die Exklusivität gekoppelt, nichts als nur Künstler sein zu dürfen. (...) Dieses Diktat verurteilt jeden Widerstand gegen die Engel der Macht oder der geschichtlichen Prozesse als eine Unwahrheit und eine angemasste Freiheit.« (2)

 

(2) Das Potosi-Prinzip, Wie können wir das Lied des Herrn im fremden Land singen?, Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 2010