Der Wiener Naturwissenschaftler Professor Herbert W. Franke.
Die Ausstellung »Wanderer zwischen den Welten« im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) würdigt erstmalig Leben und Werk des »Künstler-Forschers«: »Franke ist ein uomo universale. Ein Universalmensch, wie man ihn aus der Renaissance kennt. Jede geistige Herausforderung verspricht ihm höchste Lust. Er vereint die Gebiete der Naturwissenschaft und Mathematik mit jenen der Künste«, sagte der ZKM-Kurator Bernhard Serexhe bei der Pressevorführung. Franke zähle zu jenen Geistesgrößen des 20. Jahrhunderts, die Wissenschaft, Technik und Kunst als rückgekoppelte Phänomene in bewusster Kommunikation miteinander in Verbindung brachten und damit die »algorithmische Revolution« auslösten.

ZKM Karlsruhe

»Wenn man die Ausstellung betritt, begibt man sich in ein Gewirr von Fäden. Dieses Netz steht als Metapher für das gesamte Leben von Professor Franke, in dem er so viele Gebiete bereist und erforscht hat«, so Serexhe.
Als Kind verwandelte er die Wohnstube seiner Großeltern mit einer Garnrolle in ein Labyrinth, »durch das man sich nur unter Schwierigkeiten, teils tief gebückt, teils über Schnüre steigend, durch das Zimmer bewegen konnte. Man konnte sich verirren, in den Schnüren hängen bleiben, in eine Sackgasse geraten. Man konnte es nicht nur sehen, sondern auch spüren und erleben«, erläutert Franke.
Im ersten Raum der ZKM-Ausstellung greift er mit der Installation »Das Netz« auf das Kindheitserlebnis zurück. »Für Karlsruhe bot sich mir erneut die Gelegenheit, ein solches in seiner Form vom Zufall bestimmtes Raumnetz zu errichten. In diesem so einfachen und doch so komplizierten Netz spiegelt sich der Weg, den ich gegangen bin und der, wie ich heute einsehe, schließlich wieder zu den Anfängen zurückführt.«

Das gesamte Werk von Franke sei ein künstlerisches Forschen, immer einhergehend mit der Suche nach den Bildern von morgen, schreibt Heike Piehler im Ausstellungskatalog:
»Franke arbeitet mit naturwissenschaftlicher Akribie, analytisch und visionär. Sein in den 1950er-Jahren entstandenes künstlerisches Frühwerk der experimentellen und der generativen Fotografie zeigt, wie er technische Apparaturen für künstlerische Ansätze nutzbar machte.«

Viele Erkenntnisse gewann Franke durch zufällige Konstellationen. So schenkte ihm ein Freund zum Geburtstag Kakteen. Sofort bemerkte er bei den Pflanzen das mathematische Fibonacci-Muster, also Spiralen, die sich überkreuzen. »Ich bin diesem Phänomen auf den Grund gegangen und erkannte, dass es sich um die optimale Ausnutzung von gewölbten Oberflächen handelt. Das ist ein kleines Ergebnis, welches zeigt, dass ich mich gar nicht systematisch einem Problem zugewandt habe, sondern gewissermaßen dazu gezwungen wurde«, erläuterte Franke. Ein weiteres Beispiel sei ein Festvortrag, den er beim Verband der Deutschen Höhlenforscher halten sollte. Franke wollte aber nicht zum wiederholten Male auf seine Exkursionen durch die Dachstein Mammuthöhle eingehen, das sei doch langweilig. Besser wäre es, über Höhlen auf anderen Planeten zu sprechen.

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