Zu weit flog ich in die Zukunft

Zu weit flog ich in die Zukunft: ein Grauen überfiel mich. Und als ich um mich sah, siehe! Da war die Zeit mein einziger Zeitgenosse.
Da flog ich rückwärts, heimwärts: so kam ich zu euch, ihr Gegenwärtigen, und ins Land der Bildung.

Aber wie geschah mir? So Angst mir auch war ich musste lachen! Nie sah mein Auge etwas so Buntgesprenkeltes!
Ich lachte und lachte, während der Fuß mir noch zitterte und das Herz dazu: »hier ist ja die Heimat aller Farbtöpfe!« – sagte ich.
Mit fünfzig Klecksen bemalt an Gesicht und Gliedern: so saßet ihr da zu meinem Staunen, ihr Gegenwärtigen! Und mit fünfzig Spiegeln um euch, die eurem Farbenspiele schmeichelten und nachredeten!
Wahrlich, ihr könntet gar keine bessere Maske tragen, als euer eigenes Gesicht ist!

Vollgeschrieben mit den Zeichen der Vergangenheit, und diese Zeichen überpinselt mit neuen Zeichen: also habt ihr euch gut versteckt vor allen Zeichendeutern! Alle Zeiten und Völker blicken bunt aus euren Schleiern; alle Sitten und Glauben reden bunt aus euren Gebärden. Ja, wie sollt ihr glauben können, ihr Buntgesprenkelten! - die ihr Gemälde seid von Allem, was je geglaubt wurde!
Unfruchtbare seid ihr: darum fehlt es euch an Glauben!

Also sprach Zarathustra





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